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ESF+-Erfolgsgeschichte: Dann geh' ich halt woanders hin!

Warum Recruiting scheitert und wie Brandenburger Servicestellen Verbundausbildung Ausbildungsbetriebe stärken

- Erschienen am 09.01.2026
Im Rahmen des Workshops 'Dann geh' ich halt woanders hin' erhalten Unternehmen praxisnahe Unterstützung, um nicht nur ihr Recruiting sondern auch die Mitarbeitendenbindung zu verbessern. (Foto: BBZ Prignitz)

Viele Unternehmen stehen heute vor einem scheinbar paradoxen Problem: Sie investieren in moderne Stellenanzeigen, produzieren aufwendige Videos und bemühen sich um eine attraktive Darstellung ihres Unternehmens – und trotzdem bleiben Bewerbungen aus. Gleichzeitig berichten Jugendliche, dass sie sich zwar bewerben, aber nach der ersten Kontaktaufnahme schlicht keine Rückmeldung erhalten oder wochenlang im Ungewissen gelassen werden.
Aniko Herms-Neumann, Projektleiterin einer ESF+-geförderten Servicestelle Verbundausbildung in Wittenberge, berichtet für BRANDaktuell von der wichtigen Arbeit der Brandenburger Servicestelle Verbundausbildung in der Prignitz, die einen entscheidenden Beitrag leistet, diese Diskrepanz aufzulösen.

Der Recruiting-Prozess entscheidet heute stärker denn je darüber, ob Jugendliche sich für ein Unternehmen begeistern, oder ob sie "eben woanders hingehen", so Frau Herms-Neumann. Die Realität des aktuellen Recruitings sei geprägt durch viele Herausforderungen für die Unternehmen und die Jugendlichen. Auf der einen Seite beklagen die Ausbildungsbetriebe zu wenige oder keine Bewerbungen, hohe Abbruchquoten (das sog. 'Ghosting') und organisatorische Schwierigkeiten. Auf der anderen Seite monieren die Jugendlichen mangelnde oder unpersönliche Kommunikation, lange Wartezeiten auf Rückmeldungen und unübersichtliche Bewerbungsprozesse. Diese Faktoren führten dazu, dass Jugendliche sich trotz grundsätzlichem Interesse schnell umentscheiden und Unternehmen wertvolle potenzielle Auszubildende verlieren.

Die Rolle der Servicestelle: Beobachten, analysieren, begleiten

Aus ihrer praktischen Arbeit heraus, stellte sich Frau Aniko Herms-Neumann, Projektleiterin der Servicestelle Verbundausbildung der BBZ Berufsbildungszentrum Prignitz GmbH, eine entscheidende Frage: "Kann es wirklich sein, dass Bewerberinnen und Bewerber nicht am Interesse scheitern, sondern am Prozess?"
Um dieser Frage strukturiert nachzugehen, wurde ein mehrstufiger Prozess über einen längeren Zeitraum angestoßen, bestehend aus Workshops, Gesprächen, Analysen und Praxiserfahrungen mit Ausbildungsbetrieben.

Ein Workshop als Wendepunkt

Unternehmen wurden zu praxisnahen Workshops mit dem Titel 'Dann geh' ich eben woanders hin!' eingeladen, in denen gemeinsam typische Stolperfallen des Recruitings untersucht wurden – mit eindeutigen Ergebnissen. Vom ersten Kontakt über die Auswahl bis zum Onboarding: Immer wieder komme es zu Verzögerungen, nicht definierten Zuständigkeiten, technischen Hürden und fehlenden Rückmeldestrukturen in den Ausbildungsbetrieben. Die Servicestelle Verbundausbildung machte gemeinsam mit den Betrieben die Probleme Schritt für Schritt sichtbar und arbeitete diese systematisch auf.

Von der Theorie zur Praxis: Entwicklung einer verbindlichen Checkliste

Aus der Auswertung entstand ein zentrales Werkzeug: eine umfassende Checkliste, die den gesamten Recruiting- und Onboarding-Prozess abbildet. Diese Checkliste unterstützt Unternehmen dabei, ihre Kommunikationswege klar zu definieren und somit Transparenz zu schaffen sowie technische Hürden abzubauen. Durch das gezielte Begleiten der Jugendlichen vom ersten Kontakt bis zum ersten Arbeitstag, wird die Bindung von Beginn an gestärkt, was insbesondere in der kritischen Phase zwischen Vertragsunterschrift und Ausbildungsbeginn wichtig ist, um das 'Ghosting' zu vermeiden.

Die nachhaltige Arbeit der Servicestellen Verbundausbildung in Brandenburg

Die zehn Brandenburger Servicestellen Verbundausbildung begleiten Ausbildungsbetriebe nicht nur punktuell, sondern über lange Zeiträume hinweg. Dank Workshops, individueller Beratung, Prozessanalysen und praktischen Werkzeugen wie der entwickelten Checkliste werden die Unternehmen dabei unterstützt, Recruitingprozesse zu modernisieren und Ausbildungsabbrüche zu reduzieren.
So wird die Ausbildungsbereitschaft von Betrieben gestärkt und die Ausbildungsqualität am Lernort Betrieb gesichert. Den Jugendlichen wird Orientierung geboten und alles darangesetzt, die jungen Menschen bestmöglich in Ausbildung zu bringen. Somit tragen die Servicestellen Verbundausbildung maßgeblich dazu bei, die Ausbildung im Land Brandenburg attraktiv, erreichbar und zukunftsorientiert zu gestalten und langfristig Nachwuchs- und Fachkräfte zu sichern.

Richtlinie: Qualifizierte Ausbildung im Verbundsystem (PAV) 2022, Fördertatbestand 'Service für Ausbildung, Modul Servicestellen Verbundausbildung'
Finanzierung: Gesamtsumme des Zuwendungsbescheids: 511.234 EUR, davon ESF+: 306.740 EUR
Titel des geförderten Projekts: Servicestellen Verbundausbildung
Zuwendungsempfangende: BBZ Berufsbildungszentrum Prignitz GmbH
Durchführungsort: Land Brandenburg (Prignitz und Ostprignitz-Ruppin)
Durchführungszeitraum: 01.08.2022 bis 31.07.2028
Kontakt (Projektleitung): Frau Aniko Herms-Neumann, Tel.: +49 3877 949-777 oder Mobil: +49 151 419 567 51, E-Mail: servicestelle-verbund@bbz-prignitz.de

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Gefördert aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes Brandenburg.