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Wenn Erwachsene kaum lesen können: Brandenburg kämpft gegen stille Bildungsarmut

- Erschienen am 07.06.2026

Etwa zwölf Prozent der Brandenburger sind funktionale Analphabeten. Das sagte Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) im Bildungsausschuss des Brandenburger Landtags. „Das ist eine erschreckend hohe Zahl“, so der Minister.

Um diesen Menschen Lesen und Schreiben beizubringen, gibt es im Land 15 sogenannte „Grundbildungszentren“. Sie richten sich an Erwachsene, die einzelne Sätze lesen und schreiben können, aber bereits Schwierigkeiten beim Schreiben und Verstehen kurzer Texte haben.

Wie Hoffmann im Ausschuss berichtete, gebe es bei den Betroffenen große Schwellenängste, sich zu ihren Schwierigkeiten zu bekennen. „In der Öffentlichkeit ist damit eine erhebliche Stigmatisierung verbunden“, sagte Hoffmann. Er begrüße deswegen die „clevere“ Art und Weise, in der manche Grundbildungszentren damit umgehen.

Niedrigschwellige Angebote in der Bibliothek

„In Rathenow hat man das Grundbildungszentrum im Obergeschoss der Bibliothek eingerichtet“, sagte Hoffmann. Dort müsse sich niemand schämen, denn für Außenstehende sehe es so aus, als besuchten die Besucher des Grundbildungszentrums schlicht die Bücherei. Ein ähnlich niedrigschwelliges Angebot gibt es mit einem offenen Lerncafé auch in Potsdam.

„Grundbildungszentren leisten wertvolle Arbeit“, sagte die SPD-Abgeordnete Katja Poschmann unserer Redaktion. „Sie unterstützen Erwachsene, denen selbst die alltäglichsten Dinge wie das Lesen des Kontoauszugs, der Stromabrechnung oder des Elternbriefs der Kinder Schwierigkeiten bereiten.“ Investitionen in Grundbildung seien auch Investitionen in die Bildungsbiografien der nächsten Generation. „Denn wenn Eltern gut lesen und schreiben können, haben es auch deren Kinder leichter beim Erwerb dieser Fähigkeiten.“

Die CDU-Bildungspolitikerin Kristy Augustin nannte die hohe Quote an funktionalen Analphabeten „besorgniserregend“. „Es ist kaum nachvollziehbar, wie sie ihren Lebens- und Berufsalltag meistern können“, sagte Augustin unserer Redaktion. Daher habe sich die Koalition in ihrem Koalitionsvertrag explizit für eine Unterstützung der Erwachsenenbildung ausgesprochen.

8 Prozent der Brandenburger Schülerinnen und Schüler verließen im Schuljahr 2024/25 die Schule ohne Abschluss.

„Ein Thema, das uns umtreibt“, ist aus Sicht von Minister Hoffmann auch die Quote der Schüler, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Sie betrug im Schuljahr 2024/2025 insgesamt acht Prozent. Das war eine Steigerung von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Ein Teil dieser Schüler sind nach Angaben Hoffmanns Schülerinnen und Schüler von Förderschulen. Sie werden in der Regel als „Schüler ohne Abschluss“ gezählt. „Wir haben aber eine Steigerung der Quote, an den Oberschulen und Gesamtschulen“, sagte Hoffmann.

„Einer der wesentlichen Gründe sind die ukrainischen Schüler: Schüler, die erst in der 7. oder 8. Klasse in den deutschen Sprachraum kommen, müssen eine erhebliche Leistung erbringen, um hier einen Abschluss zu erwerben.“ Auch sei nicht erfasst, ob diese Schüler in ein anderes Bundesland oder in die Ukraine zurückgehen. „Aufgrund der gesunkenen Migrationszahlen erwarten wir hier aber einen Rückgang der Quote“, sagte Hoffmann. „Ich bin aber auch froh, dass es uns gelungen ist, die Zahl der Schulpsychologen zu verdoppeln.“

Im Übrigen sei die Bildungsbiografie nach der 10. Klasse noch nicht vorbei – das zeige letztlich auch seine eigene Biografie: Auch Hoffmann selbst hatte einst die Schule abgebrochen, und seinen Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt.