Geschlechteruntypische Berufe im Handwerk stärken - Mentoring macht's möglich
- Erschienen amDas im Herbst 2023 gestartete Mentoring-Projekt an der Handwerkskammer Potsdam läuft zum Jahresende aus. In diesen zwei Jahren ist ein Angebot entstanden, das Auszubildende im Handwerk gezielt unterstützt - vor allem dort, wo Jugendliche geschlechteruntypische Berufe erlernen.
Rückblick: Aufbau einer Koordinierungsstelle an der HWK Potsdam
Mit dem ESF+-Programm ‚Qualifizierte Ausbildung im Verbundsystem' verfolgt das Land Brandenburg das Ziel, die Ausbildungsqualität und -bereitschaft in Betrieben zu stärken und Jugendlichen attraktive berufliche Perspektiven zu eröffnen. Von dieser Möglichkeit hat auch die Handwerkskammer Potsdam (HWK) Gebrauch gemacht: Sie richtete die Koordinierungsstelle ‚Gutes Lernen im Betrieb' ein, in der seit Herbst 2023 eine sehr individuelle Form der Unterstützung angeboten wird - das Mentoring.
Frauen im Metallbau oder Männer im Friseurhandwerk gezielt unterstützen
Das Mentoring-Projekt in der HWK Potsdam ist speziell auf geschlechteruntypische Berufe ausgerichtet, etwa Frauen im Metallbau oder Malerhandwerk sowie Männer im Friseurhandwerk. Es wurden daher Tandems in den Gewerken Tischlerei, Metallbau, Friseurhandwerk und Malerhandwerk gebildet. Beim Mentoring geben erfahrene Fachkräfte (Mentorinnen und Mentoren) ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Einblicke in betriebliche Abläufe an junge Menschen (Mentees) weiter. Davon profitieren beide Seiten: Die Mentees bauen Kompetenzen, Netzwerke und Selbstvertrauen auf, während Mentorinnen und Mentoren neue Perspektiven auf den Branchennachwuchs, frische Ideen und Impulse für ihr Unternehmen gewinnen. Mentoring kann zudem den sogenannten "brain-drain" vermindern - der Abfluss von Fachwissen und Erfahrung durch das Ausscheiden von älteren Mitarbeitenden kann gemildert werden, wenn gezielt Erfahrungswissen weitergegeben wird.
Win-Win: Jugendliche gewinnen an Sicherheit und Betriebe Einblicke in die junge Generation im Handwerk
Insgesamt zwölf Personen nahmen am Projekt teil und starteten mit einer Laufzeit von einem Jahr. Ein Halbzeittreffen nach sechs Monaten zeigte ein klares Bild: Der regelmäßige Austausch wurde nicht nur als hilfreich erlebt, weil viele Fragen offen angesprochen werden konnten - auch bei persönlichen Themen wie dem Umzug in die erste eigene Wohnung oder bei der Prüfungsvorbereitung konnte unterstützt werden. Am Ende entschieden sich sogar alle Tandems dafür, die Zusammenarbeit über das erste Jahr hinaus fortzusetzen.
Bei der Auswahl der Tandems wurde zunächst darauf geachtet, dass Mentorinnen bzw. Mentoren denselben Beruf gelernt hatten wie ihre Mentees. Im Verlauf der Arbeit zeigte sich jedoch, dass andere Faktoren wichtiger sind: Räumliche Nähe, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, Erfahrungen zu teilen. Die Kriterien wurden daher geöffnet. So entstand ein Austausch, der sowohl den Mentees als auch den Betrieben genutzt hat.
Tue Gutes und rede darüber
Parallel dazu wurde das Thema Mentoring über die Region hinaus bekannt gemacht. Gemeinsam mit Radio Potsdam entstand eine Podcast-Folge, in der das Projekt vorgestellt wurde.
Im Frühjahr 2025 wurde das Mentoring außerdem im Online-Treff der ‚Gerüstbaufrauen', einem bundesweiten Zusammenschluss von Gerüstbauerinnen, präsentiert. Dort stieß der Ansatz auf großes Interesse, mehrere Teilnehmerinnen planen eigene Mentoring-Angebote in ihren Betrieben. Die Rückmeldungen aus den beteiligten Gewerken zeigen: Mentoring ist nicht nur für geschlechteruntypische Berufe interessant. Auch Auszubildende aus geschlechtertypischen Berufen haben deutlich gemacht, dass sie sich ein solches Angebot wünschen würden. Für die Handwerkskammer Potsdam ist dies ein Hinweis, dass Mentoring dauerhaft in die Ausbildungsbegleitung eingebunden werden kann.
Ausblick: Wie geht es nun weiter?
Auch wenn die Förderung der Koordinierungsstelle ‚Gutes Lernen im Betrieb' zum 31. Dezember 2025 endet, soll das Mentoring weitergehen. Interessierte Mentees, Mentorinnen und Mentoren sollen auch 2026 Unterstützung bei der Suche nach passenden Tandempartnerinnen und -partnern erhalten. Für das Frühjahr 2026 ist ein gemeinsames Treffen geplant, bei dem die Beteiligten auf die Projektzeit zurückblicken und Ideen für die Fortführung zusammentragen. (SH)
Richtlinie: 'Qualifizierte Ausbildung im Verbundsystem (PAV) 2022'
Finanzierung: Gesamtsumme: 145.396,44 Euro, davon ESF+: 87.237,86 Euro
Titel des Projekts: Koordinierungsstelle Gutes Lernen im Betrieb
Zuwendungsempfangende: Handwerkskammer Potsdam
Durchführungsort: Land Brandenburg
Durchführungszeitraum: 01.01.2023 bis 31.12.2025
Kontakt (Projektleitung): Janet Kunau, Telefonnummer: +49 33207 34233, E-Mail: janet.kunau@hwkpotsdam.de

Gefördert aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes Brandenburg.
