ESF+-Erfolgsgeschichte: Ich werde gesehen! Ich kann etwas bewegen!
- Erschienen amMit Unterstützung des ESF+-Förderprogramms Stark vor Ort unterstützt der Verein Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) Brandenburg e. V. Kinder und Jugendliche in Rathenow und Premnitz. Durch kreative Projekte erleben junge Menschen im Alter von 8 bis 18 Jahen, dass ihre Ideen zählen. Die Projektleiterin Susanne Woltersdorf verbindet ihre sozialpädagogische Arbeit mit kreativ-künstlerischen Ansätzen. Im Interview mit BRANDaktuell spricht die gelernte Erzieherin darüber, wie das Projekt ‚Ich werde gesehen! Ich kann etwas bewegen!' jungen Menschen Raum für Kreativität und persönliche Entwicklung eröffnet.
Wie ist die Idee für das Projekt entstanden?
Das Projekt wurde von der LEB Brandenburg e. V. ins Leben gerufen. In Rathenow und Premnitz sind viele Kinder und Jugendliche von Armut betroffen, während gleichzeitig vor Ort Angebote fehlten, die gezielt die Resilienz der jungen Menschen stärken. Unser Projekt schließt diese Lücke, indem wir ihnen einen Raum geschaffen haben, wo sie selbstwirksam ihre eigenen Fähigkeiten entdecken können.
Was bedeutet Resilienz für Kinder und Jugendliche, die von Armut bedroht sind?
Für mich persönlich ist das ein sehr emotionales Thema. Denn wenn Kinder und Jugendliche von Armut betroffen sind und nichts passiert, sie nicht gesehen werden oder selbstwirksam sein können, dann ist es für sie schwer, aus diesem System rauszukommen. Hierfür benötigen sie Resilienz. Die Kreativität zu fördern, steht dabei für mich an erster Stelle: Wenn Kinder und Jugendliche eigene Lösungen finden, sich selbst ausdrücken und gesehen werden, dann spüren sie, dass sie etwas bewegen können. Dies ist auch der Hintergrundgedanke des Projekttitels.
Welche Angebote werden den Kindern und Jugendlichen durch Ihr Projekt ermöglicht?
Wir haben in einem Atelier in Rathenow einen kreativen Freiraum erschaffen, in dem sie ohne feste Vorgaben eigene Ideen entwickeln können. Die Kurse richten sich an Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 18 Jahren und finden regelmäßig am Nachmittag sowie in den Ferien statt. Ein besonderes Highlight war ein Feriencamp in Premnitz, das Kunst, Musik und Natur miteinander verbunden hat. Außerhalb des Ateliers besuchen wir auch Ausstellungen und begeben uns mit Staffeleien und einem Bollerwagen voller Materialien hinaus in die Natur.
Auf welche Highlights und Erfolge blicken Sie besonders gerne zurück?
Besonders stolz sind wir auf die Ausstellung von rund 90 Kunstwerken aus allen Kursen, die in diesem Sommer in der Stadtverwaltung präsentiert wurden. Die Vernissage war für viele Kinder und Jugendliche ein ganz besonderer Moment, da ihre Arbeiten öffentlich gewürdigt wurden. Ein weiteres Highlight war der Aufbau eines Kinder- und Jugendtreffs in Nennhausen. Ebenfalls blicken wir auf eine erfolgreiche Fachtagung zum Projekt 'Stark vor Ort' zurück, welche im November 2025 stattfand.
Welche Veränderungen beobachten Sie bei den Kindern und Jugendlichen im Verlauf des Projekts?
Besonders deutlich sehen wir eine positive Entwicklung der sozialen Kompetenzen. Durch die kreativen Gemeinschaftsprojekte kommen die Kinder und Jugendlichen miteinander ins Gespräch und lernen, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Somit wachsen das Gemeinschaftsgefühl und das Selbstvertrauen der Kinder und Jugendlichen.
Mit welchen Institutionen und Kooperationspartnern arbeiten Sie zusammen?
Im Laufe des Projekts konnten wir ein starkes Netzwerk aufbauen. Dazu gehören Schulen, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter, Kinder- und Jugendtreffs, die AWO, der Landkreis Havelland, die Stadtverwaltungen sowie das Team der Programmbegleitung für 'Stark vor Ort' in Potsdam.
Welche Rolle spielt die ESF+-Förderung für Ihr Projekt und was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ohne die Förderung durch das ESF+-Programm 'Stark vor Ort' wäre das Projekt nicht möglich gewesen. Umso größer ist die Sorge mit Blick auf die Zukunft. Trotz zahlreicher Bemühungen konnte bislang keine Anschlussfinanzierung nach Ende dieses Jahres gefunden werden. Im Sinne der Kinder und Jugendlichen ist es daher unser größter Wunsch, dass die Arbeit auch nach dem Ende der aktuellen EU-Förderperiode fortgeführt werden kann.
Wir danken Ihnen für die spannenden Einblicke in Ihre Arbeit und wünschen Ihnen und dem Projekt alles Gute! (SH)
Richtlinie: Stark vor Ort: Soziale Integration von armutsbedrohten Kindern und ihren Familien
Zuwendungsempfänger: Ländliche Erwachsenenbildung Brandenburg e. V.
Finanzierung: 282.268,80 Euro, davon Zuschuss durch ESF+: 169.361,28 Euro und Landesmittel: 56.453,76 Euro
Titel des geförderten Projekts: Ich werde gesehen! Ich kann etwas bewegen! Erlebnisorientierte Resilienzförderung im Landkreis Havelland
Durchführungsort: Landkreis Havelland (Rathenow und Premnitz)
Durchführungszeitraum: 01.01.2024 bis 31.12.2026
Kontakt: Susanne Woltersdorf, spielraum@lebev.de, Tel.: +49 162 844 07 66

