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Praxisnahe Berufsorientierung: 77.000 Brandenburger Schülerinnen und Schüler profitieren bereits

- Erschienen am 03.07.2026
© dirk@enters.de

"Was will ich später eigentlich mal werden?" - Wie junge Menschen bei der Berufsorientierung unterstützt und erreicht werden können, stand im Mittelpunkt der Fachtagung ‚Good Practice: Praxisnahe Berufsorientierung in Brandenburg'. Dafür kamen am 29. Juni Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, den Schulen und aus Projekten in der ILB zusammen, um sich rund um die Förderung durch das ESF+-Programm ‚PraxisBO' auszutauschen und Perspektiven für die Weiterentwicklung zu sammeln.

Bildungsminister betont praktische Erfahrungen als Schlüssel für Berufsorientierung

Zur Eröffnung unterstrich Gordon Hoffmann, Minister für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg (MBJS), die zentrale Bedeutung praktischer Erfahrungen für eine gelungene Berufsorientierung. Er gab persönliche Einblicke in seinen eigenen beruflichen Werdegang: Von einem weniger positiven Schülerpraktikum im Heizungsbaubetrieb, über erste praktische Erfahrungen in einem Computerladen bis hin zur Ausbildung als Erzieher. Praxisnähe sei unentbehrlich für die eigene Berufsorientierung, vor allem dann, wenn sie gut begleitet, strukturiert und individuell gestaltet ist. Er betonte, dass eine wirksame Berufsorientierung ein zentrales Anliegen der Landesregierung sei.

Impulse aus Brandenburg und der EU

Im anschließenden Podium wurde die Frage vertieft, wie Berufsorientierung denn wirksam gestaltet werden kann. Dabei diskutierte Dr. Friederike Haase, Staatssekretärin im MASGZ, gemeinsam mit Patrick Paquet, Referatsleiter in der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration der Europäischen Kommission, sowie mit Carina Knie-Nürnberg, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit und Dr. Susanne von Below, Abteilungsleiterin im MBJS.

Dr. Friederike Haase betonte aus persönlicher und auch politischer Sicht, wie wichtig es sei, junge Menschen darin zu bestärken, ihren eigenen beruflichen Weg zu finden. Patrick Paquet brachte eine europäische Perspektive in die Podiumsdiskussion mit ein und hob hervor, dass praxisnahe Formate wie Schülerpraktika in anderen europäischen Bildungssystemen noch keine Rolle spielen würden. Diese praxisnahen Formate an Schulen und die Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Bundesagentur für Arbeit betrachtet er als besondere Stärke Brandenburgs. Ergänzend unterstrich Carina Knie-Nürnberg dabei den Mehrwert für die Bundesagentur für Arbeit, das ESF+-Programm PraxisBO zu unterstützen. Denn praktische Erfahrungen seien auch nach ihr ein entscheidender Erfolgsfaktor für nachhaltige Berufsorientierung und Fachkräftesicherung. Dr. Susanne von Below verwies ebenfalls auf die Erfolge der praxisorientierten Angebote im Land: Als Beispiel nannte sie die inzwischen 161 Schülerfirmen in Brandenburg.

PraxisBO wirkt: Bereits 1.058 abgeschlossene Projekte

Die Ergebnisse der Podiumsdiskussion decken sich auch mit den aktuellen Daten zum ESF+-Programm ‚Praxisnahe Berufsorientierung (PraxisBO)'. Eine Zwischenbilanz des Förderprogramms präsentierten Nora Klemm, Projektleiterin des Regionalpartners Süd-Ost von der Stiftung SPI, und Markus Wicke, Projektleiter des Regionalpartners West von kobra.net. Sie berichteten, dass bislang 1.058 Projekte erfolgreich abgeschlossen und rund 77.000 Schülerinnen und Schüler an 234 Schulen erreicht werden konnten. Besonders stark vertreten sind Ober- und Förderschulen. Das Programm unterstützt Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 10 dabei, unterschiedliche Berufsfelder frühzeitig und praxisnah kennenzulernen. Dazu gehören unter anderem Berufsfelderkundungen, Praxislernen in Werkstätten, Berufsorientierung für ‚Grüne Berufe' sowie weitere Formate, die den Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf erleichtern. Gleichzeitig stärkt PraxisBO die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Unternehmen und außerschulischen Partnern und bietet Lehrkräften verschiedene Vernetzungs- und Fortbildungsangebote

Die hohe Nachfrage spiegelt sich auch in der Finanzierung wider: Von den bereitgestellten Fördermitteln sind mit rund 30.255.700 Euro rund die Hälfte bereits ausgeschöpft. Die Förderung setzt sich aus Mitteln des ESF+-, der Bundesagentur für Arbeit, aus Landesmitteln und aus Eigenmitteln von privaten Schulen zusammen.

Einblicke in Werkstätten und Projekte

Das Highlight der Fachveranstaltung waren die vielfältigen Messestände, die Einblicke in die Projekte boten: Von Schülerinnen und Schülern, die ihre eigens gelöteten und geschweißten Ergebnisse präsentierten, bis hin zu Einblicken in ihre beruflichen Werdegänge.

Die Schulleiterin der Käthe-Kollwitz-Oberschule Potsdam stellte gemeinsam mit der Handwerkskammer Potsdam das Praxislernen in Werkstätten vor. Dabei sammeln Schülerinnen und Schüler unter realistischen Bedingungen Erfahrungen in unterschiedlichen Berufsfeldern - von Holz- und Metallverarbeitung über Kfz-Technik bis hin zu Friseurhandwerk oder Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. 

Wie Berufsorientierung und unternehmerisches Denken miteinander verbunden werden können, zeigte im Anschluss das Berufsweltprojekt ‚Assess yourself - Schülerinnen und Schüler als Unternehmensgründer'. Die Spreewald-Schule Lübben stellte gemeinsam mit Frank Vogel, Geschäftsführer von CompassNet, vor, wie Jugendliche eigene Geschäftsideen entwickeln und unternehmerische Prozesse praktisch erproben.

Zukunft im Blick

Neben den Erfolgen wurden im Anschluss auch aktuelle Herausforderungen thematisiert, wie die kommende EU-Förderperiode. Ab 2028 werden voraussichtlich deutlich weniger Mittel für die EU-Kohäsionspolitik und den ESF zur Verfügung stehen, während der Bedarf von Schulen für praxisorientierte Berufsorientierung in Brandenburg tendenziell steigt.

Die Fachtagung machte deutlich, dass praxisnahe Berufsorientierung ein zentraler Baustein für gelingende Übergänge von der Schule in den Beruf ist.  und die enge Zusammenarbeit von Politik, Arbeitsverwaltung, Schulen und Praxispartnern schafft in Brandenburg eine gute Grundlage, um junge Menschen bei ihrer beruflichen Orientierung wirksam zu unterstützen. (SH)