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Zusammen stark für Weiterbildung in Brandenburg

- Erschienen am 03.02.2026
Trotz widrigster Wetterverhältnisse war die Fachtagung 'Zusammen stark für Weiterbildung in Brandenburg' gut besucht: ein klares Zeichen für die wachselnde Relevanz der Thematik. (Foto: Michael Reinhardt, Reinhardt & Sommer GbR)

Weiterbildung ist ein zentraler Schlüssel für Fachkräftesicherung, Transformation und gesellschaftliche Teilhabe. Wie diese Aufgabe künftig gemeinsam gestaltet werden kann, stand im Mittelpunkt der Fachtagung 'Zusammen stark für Weiterbildung in Brandenburg – Kooperationen gestalten, Lernkultur fördern', die am 26. Januar in der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) stattgefunden hat. Zeitgleich startete das neu aufgelegte ESF+-Förderprogramm 'Weiterbildungsrichtlinie 2026', das wichtige Impulse setzt, um Weiterbildung breiter, flexibler und wirksamer zu fördern.

Zum Auftakt der gemeinsamen Veranstaltung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (MWAEK), der Agenturen für Arbeit, des 'Zukunftszentrum Brandenburg' und der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB) begrüßte die ILB-Vorständin Kerstin Jöntgen alle Teilnehmenden und gab einen Einblick in die bisherige Umsetzung der Weiterbildungsrichtlinie. Mehr als 3.000 Anträge seit 2022 und allein in 2025 bewilligte Fördergelder in Höhe von drei Millionen Euro unterstreichen die hohe Nachfrage und die Bedeutung der Förderung für Beschäftigte und Unternehmen in Brandenburg. 
Dies bekräftigte auch Dr. Friederike Haase, Staatssekretärin des MWAEK, und betonte die wachsende Relevanz von Weiterbildung vor dem Hintergrund längerer Erwerbsbiografien und tiefgreifender wirtschaftlicher Transformationen, etwa in der Lausitz und in Schwedt. Weiterbildung stärke nicht nur berufliche Perspektiven, sondern auch persönliche Resilienz. Mit Verweis auf die aktuelle Debatte zur Teilzeit, sei es wichtig, dass die Möglichkeit zur Weiterbildung nicht erschwert werde, da dies dem Ziel der Fachkräftesicherung zuwider laufe.

Weiterbildung zwischen Wachstum und Ungleichheit

Einen datenbasierten Blick auf die Weiterbildungslandschaft warf Dr. Holger Seibert vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Er zeigte, dass Weiterbildung in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren deutlich zugenommen hat, verwies aber auch auf strukturelle Ungleichheiten. So nähmen Höherqualifizierte Berufstätige deutlich häufiger an Weiterbildungen teil und würden stärker von Betrieben unterstützt, während für geringer Qualifizierte und Nicht-Beschäftigte Zugang weiterhin schwieriger sei. Diese Entwicklung, oft als Matthäus-Effekt beschrieben, stelle eine zentrale Herausforderung dar. Mehr Übersichtlichkeit in der Angebotslandschaft und eine stärkere Unterstützung geringer Qualifizierter sei daher dringend erforderlich.

Impulse aus Praxis und Diskussion

Im Rahmen von vier Workshops und einer Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass trotz unterschiedlicher Perspektiven viele Herausforderungen geteilt werden. Weiterbildung wurde dabei als potenzielle 'Superkraft' beschrieben, die jedoch ihre Wirkung noch nicht überall dort entfalten kann, wo sie wirklich gebraucht wird. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen stünden oft vor organisatorischen Hürden, obgleich es zahlreiche Unterstützungsangebote gäbe.
Einen wichtigen Impuls setzte Roman Wink von der Bertelsmann Stiftung, der den Erwerb von Teilqualifikationen also mögliche Chance gerade für An- und Ungelernte beschrieb und durch Zahlen belegte, dass sich das Nachholen eines Berufsabschlusses sowohl kurz- als auch langfristig auszahle. Teilqualifikationen könnten helfen, Kompetenzlücken schneller zu schließen und Menschen nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Katrin Müller-Wartig, Abteilungsleiterin Arbeit im MWAEK, machte am Ende der Fachtagung deutlich, wie wichtig verlässliche und zugleich flexible Förderinstrumente sind. Sie wies in diesem Zusammenhang auf die zahlreichen Optimierungen der neu aufgelegten Weiterbildungsrichtlinie hin, wie z. B. den erweiterten Fördermöglichkeiten für im Ehrenamt-Tätige oder die Möglichkeit, den Bildungsscheck auch auf Anerkennungsqualifizierung anrechnen zu lassen. Die Bündelung aller Unterstützungsangebote und Vernetzung aller Akteure und Partner werde künftig durch die zu etablierende 'Servicestelle Weiterbildung Brandenburg' ermöglicht, für die ebenfalls ab sofort Anträge (in Papierform) eingereicht werden können.

Neue Weiterbildungsrichtlinie schafft mehr Flexibilität

Zentrale Neuerung des ESF+-Förderprogramms ist die laufende Antragstellung sowohl für den Bildungsscheck für Beschäftigte als auch für Unternehmen und Vereine. Das ermöglicht eine passgenauere Planung, schnellere Bearbeitung und zügigere Auszahlungen.
Beim Bildungsscheck profitieren künftig auch Beschäftigte, die in Brandenburg arbeiten, aber keinen Erstwohnsitz im Land haben. Zudem können mehrere Weiterbildungen in einem Antrag gebündelt werden, wodurch auch kleinere Maßnahmen förderfähig werden und eine Begrenzung der Zuschusshöhe besteht nicht mehr.
Für Unternehmen bedeutet die neue Richtlinie vor allem weniger Komplexität. Maßnahmen mit kürzerer Laufzeit können separat beantragt und schneller abgerechnet werden. Das erleichtert insbesondere die Weiterbildung im laufenden Betrieb.

Gemeinsam Weiterbildung wirksam gestalten

Die Fachtagung und die neue Weiterbildungsrichtlinie zeigen, dass Brandenburg Weiterbildung als Gemeinschaftsaufgabe versteht. Kooperation, Transparenz und gezielte Förderung sind zentrale Bausteine, um den Wandel aktiv zu gestalten und möglichst viele Menschen mitzunehmen. Eine ausführliche Dokumentation der Fachtagung finden Sie auf unserer Website unter den Veranstaltungen. Interessierte erhalten persönliche Unterstützung über das Infotelefon Arbeit der ILB (0331- 660 2200). Weitere Informationen finden Sie zudem:

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Gefördert aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes Brandenburg.