ESF+-Erfolgsgeschichte: Mit ADHS durchs Studium
- Erschienen amFür viele Studierende mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist der Studienalltag eine besondere Herausforderung: Konzentrationsprobleme, Zeitmanagement oder Selbstzweifel gehören oft dazu. Genau hier setzt das Projekt ‚MAdS - Mit AD(H)S durchs Studium' an der Universität Potsdam an, welches durch das ESF+-Programm ‚Wissenschaft und Forschung' gefördert wird. Das Projekt bietet Studierenden gruppenbasierte Angebote, Einzelberatungen und einen geschützten Raum für Austausch.
Ein Interventionsforschungsvorhaben unterstützt Studierende an der Universität Potsdam
Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Timo Hennig, Professor für Inklusionspädagogische Psychologie an der Universität Potsdam und von Robert Meile, der als Leiter der Zentralen Studienberatung tätig ist. Als Psychologe sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut verbindet Prof. Dr. Timo Hennig wissenschaftliche Forschung mit praktischer Unterstützungsarbeit, während Robert Meile als Beauftragter für Studieninteressierte und Studierende mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen verantwortlich ist. Im Interview mit BRANDaktuell sprechen beide über die Entstehung und die Erfolge des Projekts.
Wie wurde das Projekt ins Leben gerufen und was hat Sie persönlich motiviert, sich intensiv mit dem Thema ADHS zu beschäftigen?
- Prof. Dr. Timo Hennig: Ich beschäftige mich seit meiner Diplomarbeit mit ADHS und habe auch in meiner Promotion dazu geforscht. Die Zusammenarbeit mit betroffenen Menschen empfinde ich als sehr bereichernd, weil sie auch viele positive Eigenschaften und Perspektiven mitbringen. An der Universität Hamburg habe ich zuvor auch ein ADHS-Projekt angestoßen und erkannte somit den Bedarf für die Studierenden an der Universität Potsdam.
- Robert Meile: In der Studienberatung treffe ich häufig auf Studierende mit ADHS oder ähnlichem Leidensdruck. Die Idee, ein Unterstützungsangebot aufzubauen, entstand dann gemeinsam mit Prof. Dr. Hennig. Über einen Univerteiler wurde ich auf den ESF+-Call von ‚Wissenschaft und Forschung' aufmerksam und ab 2024 konnten wir das Projekt dann aufbauen.
Welches Angebot ermöglicht das Projekt den Studierenden?
- Prof. Dr. Timo Hennig: Es gibt eine psychologisch geleitete ADHS-Gruppe, welche sich in acht Sitzungen über acht Wochen lang trifft. Pro Durchlauf nehmen in etwa zwölf Studierende teil. Die Gruppe ist nicht therapeutisch angelegt, sondern soll Raum für Austausch schaffen und das Gemeinschaftsgefühl fördern. Themen wie das Selbstbild, soziale Schwierigkeiten und Selbstorganisation werden behandelt. Viele Studierende erleben dort zum ersten Mal, dass sie mit ihren Herausforderungen nicht allein sind und fühlen sich verstanden.
Welche Voraussetzungen gibt es für die Teilnahme an der ADHS-Gruppe?
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- Prof. Dr. Timo Hennig: Es können Studierende der Universität Potsdam teilnehmen, die aus unserer Sicht die Kriterien einer ADHS-Diagnose erfüllen und darunter leiden und auch Schwierigkeiten im Studium berichten. Es werden vorab individuelle Gespräche mit den im Projekt tätigen Psychologinnen und Psychologen durchgeführt und Fragebögen ausgefüllt. Die Nachfrage ist sehr hoch, wir haben deutlich mehr Bewerbungen als Plätze.
Es wurden im Rahmen des Projekts noch weitere pädagogische Beratungs- und Unterstützungsangebote geschaffen - Herr Meile, können Sie dazu etwas mehr erzählen?
- Robert Meile: Um Studierende zu erreichen, die keinen Gruppenplatz bekommen konnten oder für die eine Gruppe nicht passt, haben wir zwei weitere Mitarbeitende im Team. Sie bieten individuelle Beratung an - unabhängig davon, ob die ADHS-Diagnose vorliegt. Denn viele Studierende haben ähnliche Schwierigkeiten und benötigen Unterstützung. Zudem konnte eine Vortragsreihe rund um das Thema ADHS angeboten werden.
Welche Rolle spielen die Ergebnisse aus den Gruppenübungen für die Forschung?
- Prof. Dr. Timo Hennig: Wir führen eine randomisierte kontrolliere Studie mit der ADHS-Gruppe durch. Die Studierenden füllen mehrere Fragebögen aus, sodass wir Entwicklungen sichtbar machen und mit einer Kontrollgruppe vergleichen können. So können wir erstmals empirisch messen, wie ein solches Gruppenangebot wirkt.
Und zu guter Letzt: Welche Erfahrungen mit dem Projekt haben Sie geprägt - gab es besonders positive Rückmeldungen der Studierenden?
- Prof. Dr. Timo Hennig: Besonders freut es uns, wenn Studierende sich im Anschluss bei uns melden und berichten, dass sie sich endlich für die Abschlussarbeit angemeldet haben, sich erfolgreich um ein Auslandssemester beworben haben oder therapeutische Unterstützung beginnen.
- Robert Meile: Ja, besonders schön sind die Momente, in denen Studierende ihren Abschluss schaffen, obwohl sie vorher große Schwierigkeiten hatten. Solche Entwicklungen zeigen, wie das Projekt den Studienalltag der Teilnehmenden positiv bereichern konnte.
Wir bedanken uns für das Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg mit dem Projekt! (SH)
Richtlinie: Wissenschaft und Forschung
Finanzierung: Gesamtsumme: 947.275,67 Euro, davon ESF+: 568.365,40 EUR
Titel des Projekts: MAdS - Mit AD(H)S durchs Studium
Zuwendungsempfangende: Universität Potsdam
Durchführungsort: Land Brandenburg
Durchführungszeitraum: 01.06.2024 und 31.05.2027
Kontakt (Projektleitung): Prof. Dr. Timo Hennig und Robert Meile, Mail: adhs-gruppe@uni-potsdam.de

Gefördert aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes Brandenburg.
