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Interview zu einem Projekt der Sozialpartnerrichtlinie

Interview zu einem Projekt der Sozialpartnerrichtlinie © Foto: LASA-ArchivIn der Artikelserie ‚5 Fragen – 5 Antworten‘ kommen Träger zu Wort, die den ESF für ihre Projekte nutzen. Dieses Mal wurde Silvia Lehmann befragt, die mit Dr. Ute Schlegel die zwei Projekte der Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH betreute, mit denen sozialpartnerschaftliches Handeln für unterschiedliche Unternehmensziele erprobt wurden.

 

Woher wussten Sie von dem Förderprogramm?

Am 11. September 2013 kündigte der damalige Staatssekretär des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie, Prof. Dr. Wolfgang Schroeder, auf einer vom DGB Bezirk Berlin-Brandenburg organisierten Veranstaltung die sogenannte ‚Sozialpartnerrichtlinie‘ für das Land Brandenburg an. Da wir uns regelmäßig auf der LASA-Plattform über neue Programme informieren, erfuhren wir von der Veröffentlichung der Richtlinie und stellten die Anträge für zwei Projekte.

 

Wofür setzen Sie die Mittel ein?

Wir haben gemeinsam mit den Bezirksleitungen Berlin-Mark Brandenburg und Cottbus der IG BCE (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Anm. d. Red.) die Projekte BRISSA und BrahmS für Unternehmen entwickelt. Mithilfe der Sozialpartnerrichtlinie sollte das sozialpartnerschaftliche Handeln in den Unternehmen gefördert werden. Ziel dabei war es, die Handlungskompetenz der betrieblichen Akteure für eine alter(n)sgerechte und demografiesensible Arbeitsgestaltung zu stärken, die Qualität der Arbeit zu steigern und sozialpartnerschaftliches Handeln innerhalb des Unternehmens und im Unternehmensumfeld noch enger zu verzahnen. Betriebsrat und Geschäftsführung kamen zusammen, um sich darüber auszutauschen, zu welcher Thematik aus der angebotenen Palette der Sozialpartnerrichtlinie konkreter Handlungsbedarf besteht. Schnell einigten sich die Partner, die Verbesserung der Arbeitsorganisation im Unternehmen durch eine betriebliche Beratung von externen Spezialisten aus den Projektmitteln zu finanzieren.

 

Nehmen wir an, Sie hätten die ESF-Fördermittel nicht in Anspruch genommen. Was würde in Brandenburg heute fehlen?

Auf jeden Fall haben die Projekte dazu beigetragen, dass die beteiligten Unternehmen gestärkt aus diesem Prozess kamen und sie haben einen Beitrag zur Standortsicherung geleistet. In den einzelnen Projektphasen – von der Unternehmensakquise, der Sensibilisierung der Unternehmen, der Erstberatung zur Themenfindung, bis hin zur Begleitung der externen Beratung – konnten wir beobachten, mit welchen Situationen sich die Unternehmen in Brandenburg konfrontiert sehen. Doch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ist die Lösung von Problemen nicht immer leicht. Hier steht vor allem das Alltagsgeschäft im Vordergrund. Für ‚weiche‘ Themen oder Strategien, wie die Zusammenarbeit untereinander oder zwischen den Abteilungen, fehlt schlicht oft die Kraft und die Zeit. Durch die externen Beraterinnen und Berater im Projekt konnten mit den betrieblichen Akteuren aber Handlungsspielräume und mögliche Handlungsalternativen aufgezeigt werden. Der Bedarf nach Unterstützung war groß und alle Beteiligten fanden gemeinsam Lösungen. Dieser Erfahrungsschatz würde ohne die Projekte heute fehlen.

 

Stichwort Öffentlichkeitsarbeit: Was haben Sie unternommen? Was hat sich bewährt? Was können Sie anderen raten?

Bewährt haben sich eine offene und persönliche Kommunikation zu den Betrieben, die gemeinsame Projektbearbeitung in einer intensiven Zusammenarbeit mit der IG BCE und den betreuenden Gewerkschaftssekretären sowie ein Austausch mit dem Arbeitgeberverband. Wichtig war es auch, sich an den Bedarfen in den Unternehmen zu orientieren, sozusagen das Ohr an der Masse zu haben. Empfehlen können wir auch absolute Transparenz nach innen, das heißt, die Belegschaften mit ins Boot zu holen und sie in die Prozesse einzubeziehen. Für die Unternehmensansprache haben wir mit der IG BCE einen gemeinsamen Projektflyer entwickelt. Auf den Internetseiten der IG BCE und des QFC (Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH, Anm. d. Red.) wurden die Projekte vorgestellt.

Auch die Arbeitgeberverbände wie zum Beispiel der Arbeitgeberverband Nordostchemie e. V. und der Arbeitgeberverband der ostdeutschen Papierindustrie e. V. informierten über die Projekte. Sie haben ihrerseits bei ihren Mitgliedern als Multiplikatoren gewirkt. Wichtig war uns auch der Austausch mit den Projektbetrieben, um ‚Gute Abeit‘ zu verbreiten und über Erfahrungen zu sprechen. Die IG BCE hat innerhalb ihrer Strukturen Veranstaltungen wie zum Beispiel regionale Stammtische genutzt, um Betriebsräte über das Projekt zu informieren. Außerdem fanden zwei offene Erfahrungsaustausche zu übergreifenden Themen statt.

Die IG BCE und die QFC GmbH haben als Projektträger die Teilnahme an zentralen Veranstaltungen dafür genutzt, die Projekte einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen, so z. B. auf der Betriebsrätekonferenz in Cottbus im April 2014, auf der 4. Brandenburger Betriebsrätekonferenz in Potsdam im August 2014 sowie auf den von der Zukunftsagentur Brandenburg GmbH organisierten Erfahrungsaustauschen. Mit einer Teilnahme an Veranstaltungen erhält man jedes Mal die Chance, vorhandene Kontakte aus- und neue Kontakte aufzubauen, persönliche Gespräche zu führen – die beste Methode, öffentlich wirksam zu werden.

 

Das Projekt ging in diesem Frühjahr zu Ende. Können Sie uns bitte die wichtigsten Ergebnisse und Erkenntnisse benennen?

Ausschlaggebend für den Erfolg der Projekte war ihr sozialpartnerschaftlicher Ansatz! Unser erfolgreicher Zugang zu den Unternehmen war der über die Betriebsratsgremien und das in enger Zusammenarbeit mit der IG BCE vor Ort. Hauptgrundsatz während der Sensibilisierung und in den Beratungen war konsequentes sozialpartnerschaftliches Handeln. Die Unternehmen, die sich für eine Projektteilnahme entschieden hatten, konnten externe Beratung in Anspruch nehmen, um selbstgewählte Fragestellung zu lösen bzw. deren Lösung in Angriff zu nehmen. Denn mit einer Projektlaufzeit von ca. einem Jahr stand allen Beteiligten nicht viel Zeit zur Verfügung. Das Schwerpunktthema der Beratung war bei der Mehrzahl der Unternehmen die Anpassung bestehender bzw. die Entwicklung neuer Schichtsysteme unter Berücksichtigung einer alternsgerechten Schichtplangestaltung sowie der Erfordernisse neuer Produktionsanlagen. In einem Unternehmen wurde ein Haustarif abgeschlossen. Außerdem wurde Beratung zur Entwicklung eines Gesundheitsmanagements im Unternehmen und für psychischen Gefährdungsbeurteilungen von Arbeitsplätzen genutzt. In den beiden Projekten der Brandenburger Sozialpartnerrichtlinie des QFC wurden insgesamt über 100 Brandenburger Unternehmen angesprochen. In 52 Unternehmen trafen sich die Sozialpartner zu gemeinsamen Gesprächen. 18 Unternehmen nahmen externe Beratung in Anspruch nahmen.

 

 

Richtlinie/ Programm: Richtlinie des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie (MASF) zur Stärkung der Sozialpartnerschaft und Steigerung der Qualität der Arbeit (BrandenburgerSozialpartnerrichtlinie) vom
30. November 2013
Zuwendungsempfänger: QFC GmbH, Fabrikenstraße 11, 14727 Premnitz

Durchführungsort: Brandenburg Gesamt
Laufzeit: 15.05.2014 - 31.05.2015
Kontakt: E-Mail: silvia.lehmann@qfc.de, ute.schlegel@qfc.de
Ansprechpartnerin: Silvia Lehmann, Dr. Ute Schlegel

 

BRANDaktuell-Newsletter, Nr.14/2015


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