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Integrationsbegleitung Langzeitarbeitsloser ganz individuell: 5 Fragen - 5 Antworten

Zwei Frauen bei der Präsentation zur ESF-Jahrestagung © Foto: Göran GnaudschunIn der Artikelserie ‚5 Fragen – 5 Antworten‘ kommen Projektträger zu Wort, die den ESF nutzen. Dieses Mal interviewte BRANDaktuell Matthias Fechner zum ESF-Projekt der Kreisverwaltung Spree-Neiße.

 

Woher wussten Sie von dem Förderprogramm und wie Sie die Mittel beantragen können?

Das Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie (MASF) des Landes Brandenburg informierte den Landkreis Spree-Neiße bereits frühzeitig im Jahr 2012 über die Möglichkeiten der Förderung des ESF-Programms ‚Integrationsbegleitung Langzeitarbeitsloser‘. Die entsprechende Antragstellung erfolgte über die LASA Brandenburg GmbH, welche das MASF bei der Umsetzung des Förderprogramms unterstützt.

 

Wofür setzen Sie die Mittel ein?

Die zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel werden für die notwendigen Personal- und Sachaufwendungen innerhalb des Projektes ‚Integrationsbegleitung Langzeitarbeitsloser‘ genutzt. Gleichzeitig werden den Teilnehmenden die entstehenden Ausgaben für Fahrten erstattet.

 

Was würde fehlen, wenn es ESF-Fördermittel im Land Brandenburg nicht gäbe?

Integrationsbegleitung eröffnet die Möglichkeit, Langzeitarbeitslose als Bürger oder Bürgerin, fern ab der üblichen bürokratischen Hindernisse wahrzunehmen und zu unterstützen. Das Projekt lebt dabei von der Freiwilligkeit und Sanktionsfreiheit. Dies schafft Vertrauen und erhöht die Motivation der Teilnehmer, für sich selbst neue Ziele und Vorstellungen der weiteren beruflichen Entwicklung zu formulieren.
Die Nutzung alternativer Kommunikationswege lässt eine aktive, zeitintensive, zeitnahe und vor allem individuelle Zusammenarbeit mit dem Bürger zu. Dabei werden seitens der Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmer gern solche Alternativen angenommen. Neben den bekannten Gesprächen in den Räumlichkeiten der Integrationsbegleiter bleiben wir mit den Teilnehmenden auch gerade in der Nachbetreuungsphase per E-Mail, per SMS, Gespräche an Orten, wie z. B. der Marktplatz, beim Bäcker um die Ecke oder auch auf Wunsch bei den Teilnehmenden zu Hause in Verbindung. Wir haben diese Wege initiiert, um den Teilnehmenden die Möglichkeit zu eröffnen fernab und losgelöst von den täglichen bürokratischen Situationen und Hindernissen sich mit der Arbeitsplatzsuche professionell zu beschäftigen. Kontakte per E-Mail oder per SMS haben den Vorteil Zeit zu sparen. Dies hat sich gerade bei der Zuleitung von Stellenangeboten bewährt.
Die Zusammenarbeit auf Augenhöhe wirkt sich besonders positiv aus. Nach anfänglicher Skepsis kommen persönliche Befindlichkeiten, soziale Probleme und auch Ängste zur Sprache. Bei der Beratung zu beruflichen Perspektiven wird auf regionale Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung des demografischen Wandels eingegangen.
Ein weiterer Vorteil des Projektes ist es, dass die Integrationsbegleiter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern weiter zur Verfügung stehen. Auch dann, wenn sie es bereits geschafft haben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Oft sind es hier kleinere telefonische Nachfragen, die seitens der Bürgerinnen und Bürger gern in Anspruch genommen werden, ein direkter Kontakt mit Arbeitgebern nach der Arbeitsaufnahme ist hingegen nicht gefragt.

 

Stichwort Öffentlichkeitsarbeit: Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Was hat sich bewährt? Was können Sie anderen raten?

‚Was machen wir? Wo wollen wir mit Ihnen hin? ‘, um diese Fragen zu beantworten, haben die Integrationsbegleiter zunächst einen Flyer entwickelt. Dieser wurde in öffentlichen Gebäuden ausgelegt.
Durch den engen Kontakt der Integrationsbegleiter mit dem Jobcenter Spree-Neiße erfolgt eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Fallmanagement. Anhand des Flyers konnten die Fallmanagerinnen und -manager ihren Kunden das Projekt vorstellen. So können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Integrationsbegleiterteam auf die Zusammenarbeit mit dem Betroffenen konzentrieren und weniger auf die Gewinnung von Teilnehmern.
Daneben wurden aber auch weitere Wege der Öffentlichkeitsarbeit beschritten. So erfolgten regelmäßige Veröffentlichungen im Spree-Neiße-Kurier. Ein besonderer Höhepunkt war die die ESF Jahrestagung am 11. November 2013. Hier konnten die Integrationsbegleiter ihre Arbeit einem breiten Publikum vorstellen.

 

Das Projekt läuft noch nicht so lang. Können Sie trotzdem schon einige Ergebnisse verzeichnen?

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich die Freiwilligkeit, Sanktionsfreiheit und geringe Bürokratie positiv auf die Umsetzung des Projektziels auswirken.
So haben von den ca. 420 aufgenommenen Bürgerinnen und Bürgern über 20 Prozent den Weg auf den regulären Arbeitsmarkt mit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gefunden. Davon sind über 90 Prozent nach den Forderungen der Förderrichtlinie nachhaltig. Nachhaltigkeit im Sinn der Richtlinie liegt dann vor, wenn der bzw. die Langzeitarbeitslose mindestens sieben Monate sozialversicherungspflichtig beschäftigt war und das Beschäftigungsverhältnis mindestens für 12 Monate vereinbart wurde. Es versteht sich von selbst, dass dabei auch mindestens Tariflohn oder, soweit dieser nicht besteht, die ortsübliche Bezahlung eine Bedingung ist.
Die Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg ermöglichen es, im Rahmen solcher Projekte den Bürger in seiner Gesamtheit wieder neu in den Fokus zu rücken. Die Zahlen zeigen, dass auch ohne Druck und Sanktionen bei Langzeitarbeitslosen generell von einer guten Grundmotivation zur Arbeitsaufnahme auszugehen ist.
Ich will Ihnen ein Beispiel nennen, an dem das deutlich wird: Bei einem Gespräch vermittelte die Integrationsbegleiterin einem Bürger eine passende Stelle als Altenpflegehelfer. Der Bürger reagierte daraufhin sehr ungehalten, weil er sich schon mehrfach bei diesem Arbeitgeber beworben hat. Da diese Stelle jedoch noch offen war, bittet die Integrationsbegleiterin den Bürger ein letztes Mal, sich dort zu bewerben und diese Bewerbung persönlich abzugeben. Aufgrund der vertrauensvollen Zusammenarbeit im Projekt erfolgte die Bewerbung erneut. Einige Tage später informierte er die Integrationsbegleiterin über seine sogar unbefristete Einstellung in diesem Pflegeheim.
Dieser Bürger war seit 13 Jahren langzeitarbeitslos. Durch seinen Mut eine Umschulung als Altenpflegehelfer zu absolvieren und dem persönlichen Kontakt mit der Integrationsbegleiterin ist es ihm gelungen, eine versicherungspflichtige Arbeitsstelle zu bekommen. Ähnliche Vermittlungserfolge wurden auch bei Alleinerziehenden erreicht.

 

 

Richtlinie/ Programm: Integrationsbegleitung von Langzeitarbeitslosen
Zuwendungsempfänger: Kreisverwaltung Spree-Neiße

Durchführungsort: Landkreis Spree-Neiße
Laufzeit: 01.12.2012 - 31.03.2015
Kontakt: E-Mail: m.fechner-jobcenter@lkspn.de, Internet: www.lkspn.de/integrationsbegleiter/193325.html
Ansprechpartner:r: Matthias Fechner

 

 

BRANDaktuell-Newsletter, Nr.17/2014


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