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Lotsendienst in Cottbus schafft Existenzen

Infostand bei der ESF-Jahrestagung 2013 © Foto: Göran GnaudschuhIn der Artikelserie ‚5 Fragen – 5 Antworten‘ kommen Projektträger zu Wort, die den ESF nutzen. Dieses Mal interviewte BRANDaktuell Andrea Behrends. Sie leitet den ‚Regionalen Lotsendienst‘ des IHK Bildungszentrums Cottbus.

 

Frau Behrends, Sie sind Leiterin des Projekts ‚Regionaler Lotsendienst für Existenzgründer‘, welche vom Land Brandenburg mit ESF- und Landesmitteln gefördert wird. Woher wussten Sie von den Fördermitteln und wie sie beantragt werden?

Als IHK-Bildungszentrum Cottbus GmbH bieten wir bereits seit mehr als 20 Jahren kaufmännische Qualifizierungen für die Unternehmensführung an. Wir hatten daher mit Existenzgründungen umfassend zu tun. In der Förderperiode ab 2007 haben wir uns dann um die Förderung für den Lotsendienst bemüht und beteiligten uns an der Ausschreibung.

 

Wofür setzen Sie die ESF-Mittel genau ein?

Das Projekt ‚Regionaler Lotsendienst‘ hat das Ziel, Gründungsinteressierte auf dem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen. Im Projekt funktionieren zwei Instrumente aufbauend: Das sogenannte ‚Assessment‘ und die anschließende ‚Qualifizierende Beratung‘.
Die Mittel werden hier für die Durchführung der Assessments durch kompetente Beraterteams aus Psychologen und Betriebswirten und für die einzelnen individuellen Beratungen der Existenzgründer ausgegeben.
Im Assessment wird erst einmal der Stand der Vorbereitungen des Gründers analysiert und seine persönliche Eignung für das Unternehmersein überprüft, bevor die Empfehlung für eine weiterführende Beratung durch den Lotsendienst ausgesprochen werden kann.
Für uns als Träger stehen anteilmäßig Personalkosten zur Verfügung. Damit bestreiten wir die Auswahl von Beratern und die Assessmentteams, die Organisation der Assessments und individuellen Beratung der zukünftigen Gründerinnen und Gründer, Kundenakquise, Öffentlichkeitsarbeit, Beraterschulungen und Erfahrungsaustausche usw.

 

Nehmen wir an, Sie hätten die ESF-Fördermittel nicht in Anspruch genommen. Was würde in Brandenburg heute fehlen?

So einfach ist das sicher nicht zu beantworten. Wir - der regionale Lotsendienst Cottbus - haben inzwischen unseren festen Platz in der Unterstützungslandschaft unserer Region und sind ein Teil eines großen Netzwerkes an Ansprechpartnern, Institutionen und Unterstützungseinrichtungen für den potenziellen Gründer bzw. die potenzielle Gründerin.
Wenn nicht wir als IHK-Bildungszentrum Lotsendienst geworden wären, dann ein anderer Träger… Aus heutiger Sicht wäre das schade gewesen… Denn wir pflegen eine ganz eigene intensive und individuelle Arbeit mit unseren Beratern, Existenzgründern und Netzwerkpartnern. Das ist halt immer auch etwas ganz Persönliches. Es hat sich so viel Positives aus dem Lotsendienst ergeben: Nicht nur die erfolgreichen Gründungen im Laufe der Jahre, das gemeinsame, manchmal verdammt zähe Ringen um einen Gründer, die Zusammenarbeit in anderen Gremien, das Verständnis für die Arbeit der Partner, das Wissen um die vielen weiteren Möglichkeiten, die man für die eigene Arbeit heranziehen kann, die gemeinsame Entwicklung einer eigenen Workshop-Reihe mit IHK-Zertifikat und die inzwischen fast freundschaftliche Arbeit der Lotsendienste untereinander. Inzwischen wird die Workshop-Reihe ‚Gründungsberater professional (IHK)‘ das 4. Jahr durchgeführt.
Heute funktioniert die Kommunikation dadurch oft viel einfacher. Die Interessenten und vor allem die Gründer empfehlen den Lotsendienst weiter.

 

Stichwort Öffentlichkeitsarbeit: Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Was hat sich bewährt? Was können Sie anderen raten?

Ohne Öffentlichkeitsarbeit geht nichts. Die ersten Monate als Projektleiterin des Lotsendienstes habe ich im wahrsten Sinne des Wortes Türen abgeklappert. Obwohl wir als IHK-Bildungszentrum Cottbus GmbH bekannt für hohe Qualität in der Weiterbildung waren, benötigen potenzielle Gründer eine ganz andere Ansprache, um sie zu motivieren, eine ‚langwierige‘ Betreuung in Anspruch zu nehmen. Dazu brauchte ich Unterstützer.
Ganz wichtig war von Anfang an, das Arbeitsamt und besonders das JobCenter einzubeziehen, wie auch die IHK, HWK, Stadtverwaltung und Wirtschaftsförderung. Gern habe ich auch von den Erfahrungen des CIT in Forst oder der Gründerwerkstatt oder dem Hochschullotsendienst profitiert.
Gemeinsame Präsentationen auf Messen und Infotagen haben geholfen und helfen immer noch, uns vorzustellen und bekannter zu machen.

 

Sie haben vor rund einem Jahr die Mittel beantragt. Wie lautet Ihre Bilanz?

Das Hauptziel gemäß der Förderrichtlinie des Ministeriums für Arbeit für die Lotsendienste besteht darin, Unterstützung zu leisten bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Das heißt in unseren Fällen, die Förderung der Aufnahme von selbständiger Tätigkeit, die den Unternehmer oder die Unternehmerin auch voll ernährt – also ohne staatliche Transferleistungen auskommt. Rückblickend auf Gründungen, die in der vorhergehenden Förderperiode erfolgten, haben wir natürlich Befragungen zum weiteren Bestehen durchgeführt. Danach waren noch bis zu 80 Prozent am Markt. Wir haben in den letzten vier Jahren des laufenden Projektes ca. 580 Erstgespräche durchgeführt, 37 Assessment organisiert, daraus ca. 190 Gründungsinteressierte betreut, von denen zum jetzigen Zeitpunkt 135 wirklich gestartet sind. Das ist ein hoher Prozentsatz. Jedoch bezieht so mancher über eine lange Zeit weiter Unterstützung von Bundesagentur für Arbeit und dem Land Brandenburg.
Natürlich hoffen wir sehr aufgrund unserer gemeinsamen Arbeit und der Empfehlungen, dass die Gründer erfolgreich werden und sich in naher Zukunft als stabile Unternehmen etablieren. Aufgrund der Rahmenbedingungen dieses Projektes konnten wir leider nur sehr wenige Monate den Gründer begleiten. Ich bin überzeugt, dass Gründer, die durch unsere kompetenten Berater begleitet wurden, in jedem Fall für sich viel Erfahrung gewonnen haben: Einen besseren Blick auf sich selbst und die eigenen Fähigkeiten, Wissenszuwachs und Erkenntnisse in Zusammenhänge betriebswirtschaftlicher Prozesse, Aufbau von wichtigen Netzwerken und neue soziale Kontakte usw. Nicht nur die Statistiken belegen, dass die Gründer, die Unterstützungen wie Beratung, Qualifizierung nutzen konnten vielleicht auch die erfolgreicheren Gründer sind.
Wir freuen uns, dass die derzeitige Förderung bis 31. Dezember 2014 verlängert wurde.

 

 

Richtlinie/ Programm: Förderung von Qualifizierungs- und Coachingmaßnahmen bei Existenzgründungen und Unternehmensnachfolgen
Zuwendungsempfänger: IHK Bildungszentrum Cottbus

Durchführungsort: Cottbus
Laufzeit: 30.12.2009 - 31.12.2014
Kontakt: E-Mail: behrends@cottbus.ihk.de, Internet: www.ihk-bildungszentrum-cottbus.de
Ansprechpartnerin: Brit Bannat

 

BRANDaktuell-Newsletter, Nr.2/2014


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