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5 Fragen – 5 Antworten zur Ausbildung für benachteiligte Jugendliche

Ein Jugendlicher aus der Werkstatt bei der Restaurierung des Eingangsportals © Foto: Euro-Schulen HerzbergIn der Artikelserie „5 Fragen – 5 Antworten“ kommen Projektträger zu Wort, die den ESF nutzen. Dieses Mal interviewte BRANDaktuell Cornelia Reich. Mit ihrem Projekt bekommen Jugendliche eine größere Chance auf eine Ausbildung.

 






Woher wussten Sie von den Fördermitteln und wie sie beantragt werden?

Durch die Förderung aus dem Regionalbudget des Landkreises Elbe-Elster und des Jobcenters konnten wir im März 2008 die damalige Produktionsschule ‚Kreativ Factory‘ eröffnen. Jahrelange gute Erfahrungen mit ESF-Förderungen im Rahmen der Erstausbildung nutzten wir für die Recherche weiterer Fördermöglichkeiten. Am 12. September 2010 konnte die erste Förderphase als Probelauf für ein Jahr gestartet werden. Wegen des erfolgreichen Probelaufs wurde die Förderung aus dem ESF-Programm ‚Berufspädagogische Maßnahmen im Rahmen der Jugendhilfe‘ für das Projekt Jugendwerkstatt verlängert.

Wofür setzen Sie die Mittel genau ein?

Zur Zielgruppe der Jugendwerkstatt gehören junge Menschen mit Wohnsitz im Landkreis Elbe-Elster zwischen 15 und 25 Jahre, die aufgrund ihrer persönlichen Voraussetzungen keine Chance auf dem Ausbildungsstellenmarkt haben und bei denen Instrumente des SGB II und SGB III bisher nicht den gewünschten Erfolg hatten bzw. diesen nicht erwarten lassen. Zur Zielgruppe zählen insbesondere junge Menschen mit sozialen Benachteiligungen und/oder individuellen Beeinträchtigungen, noch nicht ausbildungsreife junge Menschen, junge Menschen mit fehlender Berufseignung, junge Menschen mit Lernbeeinträchtigungen und Lernbehinderungen. Das Projekt orientiert sich an dem Grundsatz, junge Menschen in ihrer Entwicklung zu fördern und zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit zu erziehen. Somit ergibt sich der ganzheitliche Ansatz – die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung. Im Mittelpunkt stehen die soziale Integration und die Eingliederung in die Ausbildungs- und Arbeitswelt.
In einer Lernumgebung mit realen Arbeits- und Produktionsbedingungen, wie zum Beispiel Kundenkontakte und qualitäts- und termingerechte Produktion, haben die Jugendlichen die Möglichkeit, Arbeitsabläufe kennenzulernen und zu trainieren. Dabei wird darauf geachtet, dass diese überschaubar, verständlich und leistbar sind, damit die Jugendlichen Erfolgserlebnisse haben und dadurch ihr Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein steigt. Produktion, Anleitung und Orientierung sowie persönliche Begleitung und Beratung stellen eine Einheit dar und bilden die Grundlage für eine wirkungsvolle Lernumgebung. Achtung, Wertschätzung und gegenseitiger Respekt sind Prinzipien des Miteinanders in unserer Produktionsschule. Die Möglichkeiten des Mitgestaltens und Mitentscheidens führen zu einem verantwortungsbewussten Handeln.

 

Nehmen wir an, Sie hätten die ESF-Fördermittel nicht in Anspruch genommen. Was würde in Brandenburg heute fehlen?

In Brandenburg hat sich durch die Gründung von Produktionsschulen oder Projekten, die nach dem Produktionsschulgedanken arbeiten, eine wunderbare Alternative zum bestehenden ‚Frontalunterricht‘ entwickelt. Durch diese neuen Möglichkeiten können auch Kinder und Jugendliche mit Schulmüdigkeit und Schulverweigerer aufgefangen werden.

 

Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht? Mit wem arbeiten Sie zusammen? Was können Sie anderen raten?

Um erfolgreich arbeiten zu können, bedarf es der Kooperation mit zuverlässigen Partnern und damit eines regional abgestimmten Handelns und eines Einbindens in die bestehenden regionalen Netzwerkstrukturen. Das ist unsere wichtigste Erfahrung. Bewährt haben sich insbesondere Kooperationen mit Betrieben, Berufsschulen, Kammern und Innungen, Jugend-, Sozialämtern, Schulbehörden, Trägern der Grundsicherung sowie mit weiteren regionalen Akteuren. So existiert seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit mit der Schule für Tanz, Theater & Musical e. V. Luckau und der Förderschule Herzberg.
Regionale Unternehmen mit ins Boot zu holen, können wir auch anderen Trägern raten, die in Projekten mit einer ähnlichen Zielstellung arbeiten. Dazu gehört auch, das Projekt in überzeugender Weise in diesem Kreis zu präsentieren. Mit den so gewonnenen Partnern konnten Voraussetzungen für die Durchführung von Praktika und Qualifizierungsbausteinen geschaffen werden. Außerdem wurden die Unternehmerinnen und Unternehmer sensibilisiert, mit benachteiligten Jugendlichen zusammenzuarbeiten. Man kann sagen, diese Vertrauensbasis ist ein wichtiger ‚Brückenpfeiler‘ für unsere Arbeit in der Jugendwerkstatt, der auch manch Vorurteil in der Öffentlichkeit abbaut.

 

Ihr Projekt läuft bereits mehrere Jahre. Wie lautet Ihre Bilanz?

2012 konnten bei einer Gesamtzahl von 30 Plätzen und laufendem Ein- und Ausstieg schon insgesamt 76 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Jugendwerkstatt aufgenommen werden. Vermittelt wurden dabei acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer in eine betriebliche Ausbildung, fünf in eine geförderte Ausbildung, zwei in ein berufsvorbereitendes Jahr, drei in andere Fördermaßnahmen nach SGB II/III und drei in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis auf dem regulären Arbeitsmarkt. Diese Ergebnisse zeigen, wie erfolgreich die Arbeit nach dem Produktionsschulgedanken ist, wenn alle Akteure sich dem Ziel mit ganzem Herzen verschrieben haben.
Die Finanzierung des Projekts Produktionsschule Jugendwerkstatt ‚Brücke zur Arbeit‘ konnte bis 30. Juni 2014 gesichert werden. Es besteht reger Zuspruch von Jugendlichen der Region und eine Warteliste für die Aufnahme in das Projekt Jugendwerkstatt. Anfragen von Jugendlichen aus dem angrenzenden Landkreis erreichen uns ebenfalls regelmäßig.





INFOS:

Euro-Schulen Herzberg
E-Mail: info@es.herzberg.eso.de
www.eso.de/herzberg

 

BRANDaktuell-Newsletter, Nr.12/2013


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