direkt zum Inhalt
EU-Fahne
Sprachauswahl: deutsche Flagge Sprachauswahl: englische Flagge Sprachauswahl: polnische Flagge
   Sie sind hier: Home » Haftvermeidung durch soziale Integration: 5 Fragen - 5 Antworten

Haftvermeidung durch soziale Integration: 5 Fragen - 5 Antworten

Jugendliche führen Hunde im Wald aus © Foto: GFB – Büro für Antigewalt- und KompetenzarbeitIn der Artikelserie „5 Fragen – 5 Antworten“ kommen Projektträger zu Wort, die den ESF nutzen. Dieses Mal wurde Detlef Sill interviewt. Er leitet ein Team, das gefährdete Jugendliche vor der Inhaftierung bewahren möchte.

 



Herr Sill, das Projekt für ambulante, soziale und berufsorientierende Trainingskurse für junge Straftäter wird durch das Justizministerium mit ESF- und Landesmitteln gefördert. Woher wussten Sie von den Fördermitteln und wie sie beantragt werden?

Im November 2006 gab es ein Interessenbekundungsverfahren des Justizministeriums in Potsdam. Die Gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung Brandenburger Kinder und Jugendlicher mbH – GFB hatte bereits langjährige Erfahrung mit Trainingskursen für straffällige und gefährdete Jugendliche in Brandenburg. Daher war es folgerichtig, dass wir, in Begleitung des Jugendamtes des Landkreises Teltow-Fläming, uns für das neue Projektfeld des Programms Haftvermeidung durch soziale Integration – HSI interessierten. Über ein Ausschreibungsverfahren bewarben wir uns für einen ambulanten, sozialen und berufsorientierenden Trainingskurs. Die Programmlaufzeit begann 2007 und endet 2013. Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung waren sowohl die konzeptionelle Qualität, die Trägererfahrung und die Zusage der Kofinanzierung des Jugendamtes des Landkreises Teltow-Fläming.

 

Wofür setzen Sie die Mittel genau ein?

Die ambulanten Maßnahmen stellen eine Alternative zu freiheitsentziehenden Sanktionen (Arrest und Jugendstrafe) dar. Jugendliche und Heranwachsende erhalten die Chance, zeitnah zur Tat den verbleibenden Zeitraum bis zur Hauptverhandlung zu nutzen, um ihre Fähigkeiten zur Legal- und Sozialbewährung zu entwickeln und auf diesem Wege eine Haftstrafe zu vermeiden. Nicht unerwähnt soll hier bleiben, dass durch diese Reintegrations- und Präventionsarbeit bei der Haftvermeidung junger Menschen auch eine erhebliche Kostenreduzierung für die steuerzahlende Bevölkerung verbunden ist.

Im Fokus der ambulanten, sozialen und berufsorientierenden Trainingskurse steht die individuell bestmöglichste Qualifizierung der jungen Menschen in einer Bildungsmaßnahme. In den Trainingsmodulen lernen die Jugendlichen, Problemen in Schule, Ausbildung und Beruf sowie in Konflikten mit Gleichaltrigen und Erwachsenen konstruktiv zu begegnen.

HSI-Bild2Die gelernten Verhaltensmuster wie Apathie, Rückzugsverhalten, Aggressionen oder Straffälligkeit sollen durch positive Lösungsstrategien eine Veränderung erfahren. Ein wichtiges Ziel ist es, dass unsere jungen Menschen in dem Projekt nicht in die ‚Karriere‘ eines Intensivtäters abrutschen.

 

Nehmen wir an, Sie hätten die ESF-Fördermittel nicht in Anspruch genommen. Was würde in Brandenburg heute fehlen?

Seit 2007 haben ca. 220 junge Menschen den Trainingskurs im Landkreis Teltow-Fläming durchlaufen. Durch die intensive Zusammenarbeit mit der Jugendgerichtshilfe, den Jugendrichterinnen und -richtern, den sozialen Diensten der Justiz, den Bildungsträgern, dem Jobcenter und der ARGE hat sich in dieser Zeit ein zuverlässiges Netzwerk entwickelt, das auch jungen Menschen mit mehrfachen Defiziten eine Zukunft ermöglicht. Besonders stolz sind wir, dass das Projekt auch das Ziel der Rückfallvermeidung erfolgreich erreicht hat. Die GFB hat im Verlaufe der Projektjahre in ihrer Projektregion des Landkreises Teltow-Fläming partnerschaftliche Kooperationsstrukturen entwickelt und gepflegt. Die Philosophie des Netzwerkes, die nachhaltige (Re-)Integration von straffällig gewordenen Menschen, ist eine organisationsübergreifende Vernetzungsaufgabe. Wir sind uns sicher, dass unsere Kooperationspartner sich auch in Zukunft auf eine Zusammenarbeit freuen.

 

Stichwort Öffentlichkeitsarbeit: Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht? Was hat sich bewährt? Was können Sie anderen raten?

HSI-Bild3In den letzten Jahren ist es der GFB gelungen, das Projekt in der Öffentlichkeit vorzustellen: unter anderem in Zeitungsartikeln, im Rahmen des Präventionstages im ICC Berlin, aktuell vor wenigen Tagen zum ‚Tag der Toleranz‘ in Dahme, im Landkreis Teltow-Fläming.

Wir erfahren durch diese Öffentlichkeitsarbeit Zustimmung und Verständnis. Gerade die Arbeit mit der Tätergruppe benötigt Zustimmung und Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger.

Eine selbstbewusste Präsentation der Arbeit in der Öffentlichkeit ist deshalb zu empfehlen.

 

Sie haben vor rund einem Jahr die Mittel beantragt. Wie lautet Ihre Bilanz?

Wir befinden uns bereits im ‚verflixten‘ siebenten Projektjahr. Seit Beginn hat das starke Interesse an den Trainingskursen nicht nachgelassen. Jedes Jahr haben wir mehr Anmeldungen als es konzeptionell vorgesehen ist. In Absprache mit der Jugendgerichtshilfe wird aber kein junger Mensch stehen gelassen. Die Jugendrichterinnen bzw. -richter, die sozialen Dienste der Justiz (Bewährungshelferinnen und -helfer), die Jugendgerichtshilfen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der allgemeinen sozialen Dienste haben das Angebot offen aufgenommen und wie es sich abzeichnet, werden sie es auch in Zukunft pflegen und unterstützen.



Quelle: BRANDaktuell-Newsletter, Nr.9/2013


Drucken


Praxisbeispiele für Förderschwerpunkte des ESF im Land Brandenburg»»

BRANDaktuell Newsletter
Informationsdienst der ILB, gefördert durch das MASGF aus Mitteln des ESF und des Landes Brandenburg»»

Hände, die in Notizblöcke schreiben
Aktuelle Informationen rund um Europa, zum ESF sowie zum Thema Beschäftigung finden Sie hier»»

EU-Förderung
Website des Landes zur EU-Förderung»»

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Informationen des BMWi zu den EU-Strukturfonds»»

Logo Europäischer Sozialfonds für Deutschland
Informationen zu den ESF-Bundesprogrammen und deren Umsetzung »»