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"Freiheit in Grenzen" - ein Wohngruppenprojekt des offenen Vollzuges - 5 Fragen an einen Sozialpädagogen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wriezen

Eberhard Frenzel, Sozialpädagoge der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wriezen © Foto: Berufsbildungsverein Eberswalde e. V. In der Artikelserie „5 Fragen – 5 Antworten“ kommen Projektträger zu Wort, die den Europäischen Sozialfonds (ESF) nutzen. Dieses Mal wurde Eberhard Frenzel, Sozialpädagoge der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wriezen, befragt.

 

 

 

 

Herr Frenzel, das Projekt „Freiheit in Grenzen“ wird im Rahmen des Programms „Qualifizierung im Justizvollzug“ durch das Land Brandenburg mit ESF- und Landesmitteln gefördert. Woher wussten Sie von den Fördermitteln und wie sie beantragt werden?

Im Jahr 2009 hat es für das Projekt ein Interessenbekundungsverfahren mit klaren inhaltlichen Vorgaben der Justiz gegeben. Für die JVA Wriezen bewarben wir uns als Berufsbildungsverein Eberswalde e. V. und wurden ausgewählt. Alle Maßnahmen werden aus ESF-Mitteln und Haushaltsmitteln der Justiz finanziert. „Freiheit in Grenzen“ ist das erste Bildungsprojekt im offenen Jugendvollzug des Landes Brandenburg. Modellcharakter haben der Einsatz von Tieren zur Rehabilitation und das Übergangsmanagement. Die Jugendlichen werden so auf ihr Leben nach der Haft vorbereitet.

 

Wofür setzen Sie die Mittel genau ein?

Das Wohngruppenprojekt des offenen Vollzuges richtet sich an zwölf Gefangene. Einige von ihnen arbeiten in Praktika in Betrieben, führen ihre in der JVA begonnene Ausbildung entweder in der Anstalt selbst, in Betrieben oder bei Bildungsträgern fort oder sorgen für Ordnung und Sauberkeit auf dem Gelände des offenen Vollzuges. Andere nutzen Lernangebote zum Beispiel zur Vertiefung von EDV-, Deutsch- und Mathematikkenntnissen oder für die Anfertigung von Bewerbungsunterlagen. Und: Sie lernen beim Umgang mit Tieren, wie Kaninchen oder Fischen, Verantwortung zu übernehmen. Die Sozialpädagogen des Projektes unterstützen die Gefangenen bei Vorstellungsgesprächen, helfen bei der Wohnungssuche und vermitteln Partner, zum Beispiel zur Schulden- und Drogenberatung. Konkret werden aus dem ESF diese Maßnahmen, zwei Sozialpädagogen und Sport- und Kulturveranstaltungen des Projektes finanziert.

 

Nehmen wir an, Sie hätten die ESF-Fördermittel nicht in Anspruch genommen. Was würde in Brandenburg heute fehlen?

Viele jugendliche Straftäter müssten auf eine zweite Chance, auf ein sozial stabiles Leben verzichten. Die Angst vor der sozialen Ungewissheit würde bei ihnen zu neuen Problemen im Verhalten führen und den Abstieg in die Kriminalität befördern. Gerade die Wochen vor der Entlassung und die ersten Tage in Freiheit sind dabei entscheidend.

 

Stichwort Öffentlichkeitsarbeit: Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht? Was hat sich bewährt? Was können Sie anderen raten?

Wir haben von Beginn an die örtliche Presse über das Anliegen dieses Projektes informiert – auch um Ängste in der Bevölkerung abzubauen. Die Jugendlichen helfen Außenanlagen aufzuräumen, haben in der Kirche Sanierungsarbeiten unterstützt und gestalten bei der „96-Stunden-Aktion“ des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) in Bad Freienwalde eine Judohalle neu. Unsere Erfahrungen sind sehr gut, denn das Projekt wird von den meisten Wriezenern akzeptiert.

 

Sie haben vor rund zwei Jahren die Mittel beantragt. Wie lautet Ihre Bilanz?

Die ist positiv: Alle bisher 40 im Projekt betreuten Teilnehmer wurden in allen Punkten des Übergangsmanagements ausreichend versorgt – vom beruflichen Übergang über Wohnraumsuche bis zur Regelung von Schuldenproblemen – und hatten nach der Haft entsprechende Ansprechpartner zur Verfügung.

 

Ein Kaninchen wird gefüttert (JVA Wriezen), © Foto: Berufsbildungsverein Eberswalde e. V.Infos:
Berufsbildungsverein Eberswalde e. V.
Eberhard Frenzel
Schulzendorfer Straße 1
16269 Wriezen
Tel.: 033456 154165

Quelle:
BRANDaktuell, Ausgabe Nr. 3/2012

 

 


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